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MenschenwĂźrde
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Die MenschenwĂźrde (seltener fachsprachlich auch MenschwĂźrde) ist nach moderner Auffassung zum einen der Wert, der allen Menschen gleichermaĂen und unabhängig von ihren Unterscheidungsmerkmalen wie Herkunft, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung oder Status zugeschrieben wird, und zum anderen der Wert, mit dem sich der Mensch als Art Ăźber alle anderen Lebewesen und Dinge stellt. Als Rechtsbegriff umfasst die MenschenwĂźrde in der deutschsprachigen Rechtsphilosophie und Rechtstheorie bestimmte Grundrechte und RechtsansprĂźche der Menschen und ist von der umgangssprachlichen Bedeutung des Begriffes WĂźrde zu unterscheiden.
Die MenschenwĂźrde ist nach Auffassung von Christian Starck und anderer Staatsrechtler verwurzelt in einer christlichen Tradition sowie der antiken Philosophie und umfasse damit eine bestimmte Sicht auf Menschenrechte (siehe auch: Krone der SchĂśpfung); der Philosoph Herbert Schnädelbach fĂźhrt den Begriff auf die jĂźdische Religion sowie die Stoa zurĂźck.cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] Auf rechtsphilosophischer Ebene sind Menschenrechte unter anderem durch MenschenwĂźrde im deutschen Grundgesetz verankert. Auf rechtstheoretischer Ebene erhebt sich damit die Frage, inwiefern man Gesetze, die die Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Recht auf Selbstbestimmung, Schutz vor Folter und Hinrichtung, Recht auf Teilhabe oder Gesundheit einschränken, auf der Grundlage der MenschenwĂźrde weiterentwickeln kann. Innerhalb der deutschen Rechtstheorie wird die Vorstellung, dass die MenschenwĂźrde als ein ethisches Grundprinzip zeitlos sei und als MaĂstab Ăźber jeder Staatsform stehe, nicht uneingeschränkt vertreten, wiewohl die unantastbare WĂźrde eines jeden Menschen gemäà Artikel 1 in Verbindung mit der Ewigkeitsklausel des deutschen Grundgesetzes im rechtlichen Geltungsbereich des Grundgesetzes uneingeschränkt gegeben ist.
Auf weltanschaulich-religiĂśser Ebene diskutiert man, was unter MenschenwĂźrde bei den rechtsethischen Fragen des Lebensbeginns und des Lebensendes verstanden werden soll. Aus psychologischer Sicht hat der schweizerisch-amerikanische Psychiater LĂŠon Wurmser den Begriff der MenschenwĂźrde konkretisiert. Er versteht die Scham als HĂźterin der menschlichen WĂźrde.
Andere Rechtstraditionen berufen sich oft nicht auf ein Prinzip der MenschenwĂźrde, um Menschenrechte herzuleiten. Sie sehen Menschenrechte an sich als primäres, unveräuĂerliches Gut oder Naturrecht an oder leiten sie aus anderen Prinzipien her (z. B. Utilitarismus, Vertragstheorie).
Contents
⢠Geschichte
⢠Islam
⢠Deutschland
⢠Italien
⢠Schweiz
⢠Literatur
⢠Einfßhrungen
⢠Recht
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geschichte
Westlich-abendländische Tradition
Die Idee der MenschenwĂźrde hat historisch tiefreichende Wurzeln. Vorläufer dessen, was heute unter âMenschenwĂźrdeâ verstanden wird, finden sich partiell bereits in der rĂśmischen Antike, im frĂźhen Judentum und im Christentum. Zu letzteren zählen primär der Gedanke der Gottebenbildlichkeit des Menschen (Gen 1,27 ) und die daraus folgende fundamentale Gleichheit der Menschen.cite-ref-3[3]cite-ref-4[4] Der Gleichheitsgedanke manifestierte sich zunächst als âGleichheit aller Gläubigen vor Gottâ. Bei Paulus kommt diese Vorstellung radikal zum Ausdruck: âEs gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid âeinerâ in Christus Jesus.â (Gal 3,28f ).
Antike
Die griechische Antike (Vorsokratiker, Platon, Aristoteles) kennt den Begriff der Menschenwßrde nicht. Geht man davon aus, dass im humanum ein Ansatz zu suchen sei, dann sieht etwa Aristoteles dies in der Vernunft (logos). Menschenwßrde nach dem Verständnis des Grundgesetzes ist jedoch ein Rechtsanspruch. Aus der Tatsache, dass der Mensch ein rationales Wesen ist, folgt fßr Aristoteles nicht, dass er bestimmte Ansprßche an Andere oder die Gesellschaft hat.
Auch aus der Nikomachischen Ethik lässt sich auĂer in der ErĂśrterung der zwei Typen der Gerechtigkeit nur schwer ein Begriff der MenschenwĂźrde herauslesen. Im Begriff der distributiven Gerechtigkeit etwa soll dem Einzelnen nach dem Prinzip der WĂźrdigkeit und des Verdienstes zugeteilt werden. Die WĂźrdigkeit bemisst sich danach, was jener fĂźr die Gemeinschaft geleistet hat. Anders sieht dies die rĂśmische Antike. Zwei Begriffe spielen dabei eine Rolle.
⢠die humanitas
⢠die dignitas
Grundlegend fĂźr den Begriff der humanitas ist das Werk Ciceros. Dort wird jedoch der Begriff als Unterscheidungskriterium zum Tier, nicht aber als personale Eigenschaft verstanden. Erst mit dem Konzept der dignitas âWĂźrdeâ, âWĂźrdigkeitâ kĂśnnen erste Ansätze zum Begriff der MenschenwĂźrde gesehen werden. Einschlägig hierfĂźr sind Ciceros Werke De re publica âĂber den Staatâ und De officiis âVom pflichtgemäĂen Handeln, Von den Pflichtenâ.
1) Cicero betrachtet dignitas als gesellschaftliches Konzept in De re publica und De officiis
⢠als abstufbar. Im Rahmen seiner Verfassungsdiskussion (KĂśnigtum oder regnum, Aristokratie oder Demokratie) kritisiert er die Herrschaft des Volkes aus dem Grund, weil dann die WĂźrde unbilligerweise gleichmäĂig verteilt sei:
â[âŚ] und wenn alles von einem noch so gerechten und maĂvollen Volk geleitet, so ist doch eben die GleichmäĂigkeit unbillig dadurch, dass sie keine Stufen der WĂźrde kennt.â
â
Cic.rep. I,43, siehe auch Cic.off. I,42.
⢠als abgeleiteten Begriff. WĂźrde ist fĂźr Cicero kein unabgeleiteter Begriff, sondern er lässt sich zurĂźckfĂźhren auf andere Begriffe wie laus âLobâ, honor âEhreâ oder auch gloria âRuhmâ. So gibt es fĂźr ihn viele Arten von âWĂźrdenâ (dignitates) (vgl. Cic.rep. I,53).
⢠als eine unter vielen gleichberechtigten menschlichen Eigenschaften.
⢠als eine soziale Relation zwischen Individuum und Gemeinwesen. Diese Dimension bezeichnet die Nßtzlichkeit (utilitas) der Taten fßr die Gemeinschaft. Demnach sind nicht alle Taten nßtzlich fßr ein Gemeinwesen und steigern damit auch nicht die Wßrde des einzelnen. Auch muss die Nßtzlichkeit dem Urteil der Gemeinschaft ßberlassen werden.
⢠als eine persÜnlich zu erwerbende Eigenschaft. Wßrde muss verdient werden.
Hieraus wird deutlich, dass Cicero durchaus in der aristotelischen Tradition steht, wonach WĂźrde und WĂźrdigkeit immer bezogen sind auf die persĂśnliche Leistung eines einzelnen fĂźr sein Gemeinwesen. WĂźrde muss man sich verdienen und man kann sie verlieren. FĂźr Cicero, der die Leistungen Cäsars anerkannte, war Cäsar sowohl praktisch-politisch wie auch theoretisch ein Problem. Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass Cicero seine Ideen an Cäsar geschärft hat. So erkennt er zwar die Leistungen Cäsars fĂźr das Gemeinwesen an, nicht jedoch den Schritt Cäsars, als er diese einfordert. Dignitas ist demnach kein unbedingter Anspruch, den man aus Leistungen unmittelbar ableiten kann. Cicero weist darauf hin, dass das Gemeinwesen die letzte Urteilsinstanz dafĂźr bleibt und nicht der einzelne. Cäsar hatte mit dem Ăberschreiten des Rubicon (und der Vertreibung des Senats) etwas eingefordert, was man nicht einfordern kann.
2) Ciceros Konzept einer angeborenen WĂźrde des Menschen in De officiis
Dem gesellschaftlichen Konzept von WĂźrde setzt Cicero ein Konzept von menschlicher WĂźrde entgegen. Diese WĂźrde, so scheint es, kann nicht aberkannt werden. Dort, wo Cicero vom Menschen im Gegensatz zum Tier redet, billigt er allen Menschen eine WĂźrde zu.
Frage: Marcus, wodurch oder weshalb erhält ein Mensch seine Wßrde? Cicero: Weil wir alle an der Vernunft teilnehmen, an dieser Vorzßglichkeit, mit der wir die Tiere ßbertreffen. (Cic.off. I,106)
Frage: Und was muss man tun, um sich diese WĂźrde, die uns als Menschen zuteil wird, zu bewahren? Cicero: Die Lust ist der VorzĂźglichkeit des Menschen nicht wĂźrdig genug, so dass es nĂśtig ist, sie zu verachten und zurĂźckzuweisen. (Cic.off. I,106)
WĂźrde erhält der Mensch demnach, weil er im Gegensatz zum Tier vernĂźnftig ist, und zwar zunächst unabhängig von seinen Leistungen. Er muss sich diese WĂźrde durch ein entsprechendes Verhalten (kein Luxus, keine Prunksucht) aber bewahren. Wie ist das zu verstehen und wie passt das mit Ciceros gesellschaftlichem Konzept von WĂźrde zusammen? Gängige Interpretationen gehen davon aus, dass der Mensch zunächst eine natĂźrliche und mit der Geburt gelieferte (nicht jedoch angeborene, die man ja nicht verlieren kann!) WĂźrde besitzt. Allerdings kann er diese WĂźrde erhalten, vergrĂśĂern oder ganz oder teilweise verlieren. Dies hängt ganz von seinen Leistungen ab, wie sie unter 1.) beschrieben wurden. Man kĂśnnte dies vergleichen mit einem Glas, das bei der Geburt mit einer bestimmten Menge FlĂźssigkeit (= WĂźrde) gefĂźllt ist. Im Laufe des Lebens kann die FlĂźssigkeit zu- oder abnehmen.
Fasst man die antike Auffassung von Menschenwßrde nochmals zusammen, so lässt sie sich auf zwei Eigenschaften reduzieren. Wßrde ist
⢠abstufbar, weil abhängig von den Taten, dem Charakter und der Gesinnung des einzelnen in Bezug auf seine Nßtzlichkeit fßr die Gemeinschaft, und
⢠veräuĂerlich, da man seiner WĂźrde verlustig gehen kann, wenn man inhonestum (Unsittliches) und indecorum (UngebĂźhrliches) tut.
Damit wird aber auch deutlich, dass in der Antike dort, wo vom Menschen als Gattungswesen der Begriff einer unveräuĂerlichen WĂźrde/WĂźrdigkeit fehlt, und dort wo von WĂźrde die Rede ist, diese nicht als universeller Anspruch, sondern als persĂśnlicher formuliert ist.
Im frĂźhen Christentum spielt die MenschenwĂźrde eine Rolle, wird aber unterschiedlich verstanden.cite-ref-5[5]
Renaissance
Giovanni Pico della Mirandola gab 1486 mit seinem Traktat âOratio de hominis dignitateâ (âRede Ăźber die WĂźrde des Menschenâ) einen wesentlichen Impuls fĂźr die Diskussion um die WĂźrde des Menschen. FĂźr Mirandola erwächst die WĂźrde des Menschen aus der Fähigkeit, seine Existenz als Mensch selbst zu schaffen. Thomas Hobbes lehnt die Idee einer dem Menschen inhärenten WĂźrde ab. Er bemisst sie anhand des Mehrwerts, den das Individuum schafft.cite-ref-6[6] âThe Value, or Worth, of man, is as of all other things, his Price; [...] and therefore is not absolute; but a thing dependant on the need and judgment of another.âcite-ref-7[7]
Aufklärung
Zu einem umfassenden philosophischen Konzept ausformuliert wurde der Begriff der Menschenwßrde aber erst im Zuge der europäischen Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert.
Samuel von Pufendorf (1632â1694) erklärt:
âDer Mensch ist von hĂśchster WĂźrde, weil er eine Seele hat, die ausgezeichnet ist durch das Licht des Verstandes, durch die Fähigkeit, die Dinge zu beurteilen und sich frei zu entscheiden, und die sich in vielen KĂźnsten auskennt.â
Islam
Laut der Präambel der Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam wird dem Menschen WĂźrde zuteil. Hergeleitet wird dies â wie die gesamte Erklärung â âaus dem edlen Koran und der reinen Sunna des Propheten.âcite-ref-9[9] Als eine Belegstelle wird Sure 17 Vers 70 angesehen: âNun haben wir fĂźrwahr den Kindern Adams (Menschen-)WĂźrde verliehen [âŚ] und sie weiter Ăźber alle Dinge unserer SchĂśpfung begĂźnstigt.âcite-ref-10[10]
Buddhismus und Konfuzianismus
Auch auĂereuropäische Religionen und Philosophien wie der Buddhismus und der Konfuzianismus kennen die Anerkennung des Werts und der WĂźrde des einzelnen Menschenlebens. Diese findet Gregor Paul beim chinesischen Philosophen Menzius (ca. 370â290 v. Chr.).cite-ref-11[11]
Mit Peng-chun Chang war ein Chinese maĂgeblich an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beteiligt, die in der Präambel und in Art. 1 auf die MenschenwĂźrde Bezug nimmt.
Deutsche Geschichte
Weimarer Reichsverfassung
Die Weimarer Reichsverfassung von 1919 bestimmte in Art. 151 zu Beginn des FĂźnften Abschnitts âDas Wirtschaftslebenâ:
âDie Ordnung des Wirtschaftslebens muss den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwĂźrdigen Daseins fĂźr alle entsprechen.â
Die Formulierung ging zurßck auf Ferdinand Lassalle, den ersten Präsidenten des 1863 gegrßndeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins.cite-ref-wetz-12-0[12]
Zeit des Nationalsozialismus
Nach der âMachtergreifungâ durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde die Weimarer Reichsverfassung StĂźck fĂźr StĂźck auĂer Kraft gesetzt beziehungsweise durch neue Rechtsgrundsätze ersetzt, wie etwa das Verbot anderer Parteien. Statt MenschenwĂźrde hieĂ es nun: âRecht ist, was dem Volke nĂźtzt!â und âDer FĂźhrer schĂźtzt das Recht!â Die Weltanschauung des Nationalsozialismus mit seinem Rassismus und Antisemitismus, seiner Theorie vom âLebensraumâ und vom âUntermenschenâ, seinem Sozialdarwinismus widersprach den demokratischen Traditionen. Die Verneinung der menschlichen WĂźrde findet besonders während des Zweiten Weltkriegs in den Konzentrations- und Vernichtungslagern, in der so genannten âEuthanasieâ (âAktion T4â), im Kommissarbefehl zur Ermordung der politischen Kommissare der Roten Armee, dem Nacht- und Nebel-Erlass und den weiteren âFĂźhrerbefehlenâ ihren HĂśhepunkt. Den Gipfel der Menschenverachtung unter Hitler stellt der Holocaust dar, mit dem VĂślkermord an 6 Millionen europäischen Juden.
Die meisten dieser Gesetze, Befehle und Erlasse wurden von den Alliierten nach 1945 schrittweise aufgehoben. Aber erst in den 1980er Jahren wurden die NS-Gerichtsurteile in ihrer Gesamtheit fßr nichtig erklärt.
Verfassungen der DDR
AnknĂźpfend an die Weimarer Reichsverfassung bestimmte Art. 19 (Wirtschaftsordnung) der Verfassung der DDR vom 7. Oktober 1949:cite-ref-wetz-12-1[12]
âDie Ordnung des Wirtschaftslebens muĂ den Grundsätzen sozialer Gerechtigkeit entsprechen; sie muĂ allen ein menschenwĂźrdiges Dasein sichern.â
Art. 19 der Verfassung der DDR vom 6. April 1968:
âAchtung und Schutz der WĂźrde und Freiheit der PersĂśnlichkeit sind Gebot fĂźr alle staatlichen Organe, alle gesellschaftlichen Kräfte und jeden einzelnen BĂźrger. [âŚ]â
Ob insbesondere die staatlichen Organe das Gebot beachteten oder ignorierten, war mangels einer Kontrolle ihrer MaĂnahmen durch ein Verfassungsgericht oder Verwaltungsgerichte nicht ĂźberprĂźfbar.
Aktuelle Entwicklungen
Aufgrund ihrer Herkunft wird die Idee der MenschenwĂźrde von einigen auĂereuropäischen Kritikern als rein westlich und kulturell gebunden angesehen.
Der Vorstellung der grundsätzlichen MenschenwĂźrde widerspricht die utilitaristische Philosophie. Prominentester Vertreter in der Diskussion der 1980er und 1990er Jahre war der Australier Peter Singer. In seiner Ethik vertritt er â an Werner Catel und Joseph Fletcher anknĂźpfend â die Ansicht, dass MenschenwĂźrde und mit ihr das âRecht auf Leben auf die Fähigkeit, weiterleben zu wollen, oder auf das VermĂśgen, sich als kontinuierliches mentales Subjekt zu betrachten, gegrĂźndet werden muss[.]âcite-ref-13[13]
Eine philosophische BegrĂźndung der MenschenwĂźrde wurde von Vertretern der Diskursethik wie etwa Dietrich BĂśhler vorgelegt. Dort wird im kritischen Rekurs auf Immanuel Kant die Ansicht vertreten, dass in der Fähigkeit zum Diskurs, zum rationalen Argumentieren bzw. Ăźberhaupt zum ĂuĂern einer Position, die selbst Anspruch auf Geltung erhebt, implizit die Verpflichtung zur Anerkennung der MenschenwĂźrde aller mĂśglichen Diskurspartner (aller Menschen) enthalten sei und philosophisch erwiesen werden kĂśnne.cite-ref-14[14]
In Bezug auf die MenschenwĂźrde unterschied Dieter Birnbacher vier, seine Grundrechte ausmachenden Elemente: Versorgung mit den biologisch notwendigen Existenzmitteln, Freiheit von starkem und fortdauerndem Schmerz, minimale Freiheit und minimale Selbstachtung.cite-ref-15[15]
In Deutschland kam es in den 1990er-Jahren unter anderem in der politischen Auseinandersetzung um die Gentechnologie, die Abtreibung oder etwa die pränatale Diagnostik zu Diskussionen darĂźber, wie weit die MenschenwĂźrdecite-ref-16[16] reicht. In der EthikÂdebatte um das Embryonenschutzgesetz etwa wurde dem menschlichen Embryo â im RĂźckgriff auf Kants Definition â eine personale MenschenwĂźrde, also ein absolutes und unverfĂźgbares Existenzrecht zugesprochen, um ihn jeder technischen und Ăśkonomischen Nutzung zu entziehen. Dieses Speziesargument ist eines der vier SKIP-Argumente. Hintergrund der Ethikdebatte war die BefĂźrchtung, dass der Mensch nicht nur einer industrialisierten Umwelt ausgesetzt wird, sondern zum Produkt der industriellen Gestaltung des Lebens selbst werden kĂśnnte, und seine biologische Ausgestaltung sich letztlich Ăśkonomischen Verwertungsinteressen nicht mehr entziehen kĂśnnte.
MenschenwĂźrde bei Kant
âDer Mensch als âZweck an sichâ darf nie nur âMittel zum Zweckâ sein.â
Der Philosoph Immanuel Kant hat in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten die AchtungswĂźrdigkeit und die MenschenwĂźrde an sich im weitesten Sinne definiert. Das Grundprinzip der MenschenwĂźrde besteht fĂźr ihn in der
⢠Achtung vor dem Anderen,
⢠der Anerkenntnis seines Rechts zu existieren und
⢠in der Anerkenntnis einer prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Menschen.
Kant geht davon aus, dass der Mensch ein Zweck an sich sei und demnach nicht einem ihm fremden Zweck unterworfen werden darf. Das heiĂt: Die MenschenwĂźrde wird verletzt, wenn ein Mensch einen anderen bloĂ als Mittel fĂźr seine eigenen Zwecke benutzt â etwa durch Sklaverei, UnterdrĂźckung oder Betrug:
âDie Wesen, deren Dasein zwar nicht auf unserem Willen, sondern der Natur beruht, haben dennoch, wenn sie vernunftlose Wesen sind, nur einen relativen Wert, als Mittel, und heiĂen daher Sachen, dagegen vernĂźnftige Wesen Personen genannt werden, weil ihre Natur sie schon als Zwecke an sich selbst, d. i. als etwas, das nicht bloĂ als Mittel gebraucht werden darf, auszeichnet, mithin so fern alle WillkĂźr einschränkt (und ein Gegenstand der Achtung ist).âcite-ref-17[17]
Die Ansichten Kants finden sich heute in der Objektformel wieder, mit der eine Verletzung der MenschenwĂźrde verfassungsrechtlich bestimmt wird. Auf Kant geht auch die Idee von der sittlichen Autonomie des Menschen zurĂźck.
Siehe auch
:
Die Metaphysik der Sitten
Nationale Rechtsordnungen
Die Verfassungen vieler Demokratien schĂźtzen Rechte und Freiheiten an sich, ohne Bezug auf ein Prinzip der MenschenwĂźrde. Die Bill of Rights von 1791 beispielsweise benennt als unveräuĂerliche Rechte âRecht auf Leben und Freiheit und dazu die MĂśglichkeit, Eigentum zu erwerben und zu behalten und GlĂźck und Sicherheit zu erstreben und zu erlangenâ.
Als (zum Teil oberstes) Prinzip der Verfassungsordnung wird die Menschenwßrde in folgenden Mitgliedstaaten der Europäischen Union genannt:cite-ref-wetz-12-2[12]
⢠Deutschland â Art. 1 Grundgesetz,
Auch in
⢠der Bundesverfassung der Schweiz (Art. 7),
⢠in der Verfassung Sßdafrikas (§ 10)cite-ref-27[27] sowie
⢠in der Verfassung Kenias (Art. 28)cite-ref-28[28]
wird die MenschenwĂźrde ausdrĂźcklich genannt.
Zudem enthält der Vertrag ßber eine Verfassung fßr Europa von 2004, in Teil I Artikel I-2, sowie Art. 2 des Vertrags ßber die Europäische Union den Schutz der Menschenwßrde.
Deutschland
Definition: Was ist MenschenwĂźrde?
â
Hauptartikel
:
Artikel 1 des Grundgesetzes fĂźr die Bundesrepublik Deutschland
Die Achtung der MenschenwĂźrde durch den Staat und seine Vertreter ist in Art. 1 Abs. 1 GG festgeschrieben:
Die WĂźrde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schĂźtzen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
Das Bundesverfassungsgericht bestimmte den Begriff der Menschenwßrde in einer Vielzahl seiner Entscheidungen.cite-ref-29[29] Das Gericht betont dabei den Wert- und Achtungsanspruch, der dem Menschen kraft seines Menschseins zukommt.cite-ref-30[30] Dieser Wert- und Achtungsanspruch besteht unabhängig von den Eigenschaften eines Menschen, seinen kÜrperlichen oder geistigen Befähigungen und Leistungsfähigkeiten und seinem sozialen Status.cite-ref-31[31] Das Bundesverfassungsgericht fßhrte etwa 1992 zum Begriff der Menschenwßrde aus.cite-ref-32[32]
âMit ihm ist der soziale Wert- und Achtungsanspruch des Menschen verbunden, der es verbietet, den Menschen zum bloĂen Objekt des Staates zu machen oder ihn einer Behandlung auszusetzen, die seine Subjektqualität prinzipiell in Frage stellt. MenschenwĂźrde in diesem Sinne ist nicht nur die individuelle WĂźrde der jeweiligen Person, sondern die WĂźrde des Menschen als Gattungswesen. Jeder besitzt sie, ohne RĂźcksicht auf seine Eigenschaften, seine Leistungen und seinen sozialen Status. Sie ist auch dem eigen, der aufgrund seines kĂśrperlichen oder geistigen Zustands nicht sinnhaft handeln kann. Selbst durch âunwĂźrdigesâ Verhalten geht sie nicht verloren. Sie kann keinem Menschen genommen werden. Verletzbar ist aber der Achtungsanspruch, der sich aus ihr ergibt.â
â
BVerfGE 87, 209 â Tanz der Teufel
Die MenschenwĂźrde steht jedem kraft seines Menschseins zu. â[D]ieser Eigenwert [ist] als etwas immer Seiendes, als etwas unverlierbar und unverzichtbar immer Vorhandenes gedacht, so daĂ von vornherein der Wertanspruch des Wertträgers nicht darauf gerichtet sein kann, ihm durch positives Tun diesen Wert zu verschaffen.â Art 1. Abs. 1 GG verrechtlicht damit â so DĂźrig â einen Grundsatz, der als individueller und gesellschaftlicher Achtungsanspruch schon immer existierte.cite-ref-33[33]
Gehalte
MenschenwĂźrde als âoberster Verfassungswertâ
Die MenschenwĂźrde ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts die oberste Wertentscheidung des Grundgesetzescite-ref-34[34] und das Konstitutionsprinzip der deutschen Rechtsordnung.cite-ref-0-35-0[35] Als âoberster Verfassungswertâcite-ref-36[36] ersetzt sie den in anderen Verfassungen aufgefĂźhrten Gottesbezug.cite-ref-37[37] Die auĂerordentliche Stellung der MenschenwĂźrde wird durch die Aufnahme in die Ewigkeitsklausel unterstrichen. Dadurch wird der Anwendungsvorrang des EU-Rechts Ăźber die Identitätskontrolle eingeschränkt. Die MenschenwĂźrde kann nicht durch andere Rechtsnormen eingeschränkt werden, sondern steuert deren Auslegung, indem sie immer âmenschenwĂźrdekonformâ angewandt werden mĂźssen.cite-ref-38[38]
âWo alles zerbrĂśselt, was herkĂśmmlich der Gesellschaft Zusammenhalt bot, christliche Religion und kulturelle Ăberlieferung, bĂźrgerliche Lebensform und nationale Solidarität, findet die Gesellschaft zur Einheit im Bekenntnis zur MenschenwĂźrde und erlangt so etwas wie einen Zustand moralischer Grundsicherheit, in dem ein jeder einem jeden ein Minimum an Vertrauen entgegenbringen darf. [...] In der MenschenwĂźrde stĂśĂt die demokratische Gesellschaft auf ein Tabu. [...] [D]ie Wahrheit, die sich hier auftut, steht nicht zur Diskussion. Niemand rĂźhrt an sie, jedermann akzeptiert sie fraglos. Das Tabu stiftet auf seine Weise nationale Identität. Der Verfassungsartikel erweist sich damit auch als Glaubensartikel einer Zivilreligion.â
â
Josef Isensee
:
Menschenwßrde: die säkulare Gesellschaft auf der Suche nach dem Absoluten
Die Gewährleistung der MenschenwĂźrde als hĂśchsten Wert der Verfassungsordnung hat kein Vorbild in anderen westlichen Verfassungen. Ihre EinfĂźgung in das Grundgesetz 1949 ist auf die Erfahrungen der deutschen Geschichte zurĂźckzufĂźhren. Es handelt sich um eine Umkehrung der kollektivistischen Ideologie im Dritten Reich, die dem Einzelnen keinen eignen Wert zusprach und ihn nur als Teilelement der Gesellschaft verstand. Der Staat existiert in der Ordnung des Grundgesetzes um des Menschen willen â nicht umgekehrt. Die damalige Diskriminierung von Juden und Behinderten wurde mit deren angeblich minderwertigem Menschsein begrĂźndet (âUntermenschâ). Das Grundrecht ist als bewusste Reaktion auf die massive Missachtung der WĂźrde des Menschen durch den NS-Staat zu verstehen.cite-ref-40[40] Bereits 1946 hatte die Verfassung des Freistaats Bayern zur Achtung der âWĂźrde der menschlichen PersĂśnlichkeitâ verpflichtet.cite-ref-41[41]
Abwehrrecht
Art. 1 Abs. 1 Satz 2 formuliert den Doppelcharakter der MenschenwĂźrdegarantie. Die WĂźrde ist zum einen âzu achtenâ. In diesem Sinne stellt sie ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe dar, die die WĂźrde beschränken. Ein solcher Fall liegt vor, wenn eine Person âzum bloĂen Objekt der Staatsgewalt herabgewĂźrdigtâ wird,cite-ref-42[42] wenn das Individuum zu einem Mittel zum Zweck verkommt, wodurch seine Subjektqualität negiert wird. Ein VerstoĂ gegen die MenschenwĂźrde ist daher jede quantifizierende Betrachtungsweise menschlichen Lebens, also z. B. die Abwägung vieler Menschenleben gegen ein einzelnes. Es ist unzulässig, menschliches Leben zum Schutz anderer Leben zu opfern, und zwar auch dann, wenn die Betroffenen aller Wahrscheinlichkeit nach nur noch wenige Minuten zu leben haben.cite-ref-43[43] Diese Objektformel, die an das kantischecite-ref-44[44] Instrumentalisierungsverbot anknĂźpft, erlangte ihre Bedeutung durch GĂźnter DĂźrig.cite-ref-45[45] Das Bundesverfassungsgericht griff verschiedentlich auf die Objektformel zurĂźck,cite-ref-46[46] es hat sie jedoch als unzureichend erachtet.cite-ref-47[47]
In jedem Fall unzulässig sind staatliche MaĂnahmen, die das Individuum seiner Subjektqualität berauben. Neben der HerabwĂźrdigung zum Objekt fallen darunter Erniedrigung, Brandmarkung, Ăchtung, Folter, Sklaverei, Leibeigenschaft und Stigmatisierung. Auch das Brechen der Identität (z. B. im Rahmen eines VerhĂśrs) verletzt die MenschenwĂźrde.cite-ref-48[48] Dahinter reihen sich SchutzmaĂnahmen zur Wahrung der menschlichen Identität wie das Recht, sich nicht selbst zu belasten (Aussageverweigerungsrecht); das Verbot des Einsatzes von LĂźgendetektoren,cite-ref-49[49] wenn eine Einwilligung des Betroffenen fehlt; oder die Androhung, ein Wahrheitsserum zu verabreichen, was als VerstoĂ gegen das Folterverbot angesehen wird.cite-ref-50[50] Der EGMR beschäftigte sich mit dem Szenario, ob die Androhung von Folter schon Folter ist, im Fall Gäfgen v. Germany.cite-ref-51[51] Auch § 136a StPO steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verpflichtung des Staates aus Art. 1 GG, die WĂźrde des Menschen zu achten. DarĂźber hinaus untersagt sind Handlungen der Staatsgewalt, die die Gleichheit aller Menschen verneinen, rassistische Diskriminierung oder Ăhnliches.cite-ref-52[52] â[J]eder Einzelne [muss] als gleichberechtigtes Glied mit Eigenwert anerkannt werden [âŚ].âcite-ref-53[53] Die lebenslange Freiheitsstrafe ist indessen erlaubt, sofern der Verurteilte der Freiheit durch MĂśglichkeit der HaftĂźberprĂźfung wieder teilhaftig werden kann.cite-ref-54[54] Auch die Sicherungsverwahrung ist konform mit der MenschenwĂźrde, wenn ausreichend BehandlungsmĂśglichkeiten zur VerfĂźgung stehen.cite-ref-55[55]
Der Lockspitzel-Einsatz kann nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in die MenschenwĂźrde eingreifen.cite-ref-56[56] Zur VerfassungsmäĂigkeit des DNA-Identitätsfeststellungsgesetzes (DNA-IFG) sowie zum Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung siehe die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts.cite-ref-57[57]
Art. 1 Abs. 1 GG ist unbestritten eine Rechtsnorm, der ein hoher normativer Gehalt zukommt, und nicht nur eine programmatische Bekundung einer Präambel. Strittig ist hingegen, ob aus Art. 1 Abs. 1 ein Individualgrundrecht abgeleitet werden kann. Das Bundesverfassungsgericht bejaht die Grundrechtsqualität des Art. 1 GG,cite-ref-58[58] da die MenschenwĂźrde unter der Ăberschrift vor Art. 1 GG (âDie Grundrechteâ) steht. Damit stellt sich das Gericht gegen den Wortlaut des Art. 1 Abs. 3 GG, der seinem Wortlaut nach âDie nachfolgenden Grundrechteâ erwähnt. Wegen ihrer Grundrechtsqualität sind alle (einfachgesetzlichen) Bestimmungen im Lichte der MenschenwĂźrde auszulegen und eine Norm ist mithin verfassungswidrig, wenn sie einen VerstoĂ gegen Art. 1 Abs. 1 GG darstellt. Auch die herrschende Lehrmeinung im Schrifttum begreift die MenschenwĂźrde als Grundrecht.cite-ref-59[59] Der Lehrstreit ist indessen von geringer praktischer Bedeutung, weil die AnsprĂźche aus den spezielleren Grundrechte zuerst geltend zu machen sind. Handelt es sich um Fragen der Haft(-bedingungen), so sind in erster Linie die Freiheit der Person oder das Recht auf kĂśrperliche Unversehrtheit einschlägig. Wird die MenschenwĂźrde als innerster Kern aller Grundrechte im konkreten Einzelfall korrekt angewandt,cite-ref-1-60-0[60] erĂźbrigt sich somit zumeist der RĂźckgriff auf Art. 1 Abs. 1.cite-ref-61[61] Damit ist die MenschenwĂźrdegarantie des Grundgesetzes zum einen eine Schranken-Schranke fĂźr Grundrechtseinschränkungen, zum anderen kann der Schutz der MenschenwĂźrde Eingriffe in andere Grundrechte legitimieren.cite-ref-1-60-1[60]
Das Grundgesetz listet gleich im Anschluss an Art. 1 GG diejenigen Grundrechte auf, die sich aus der WĂźrde des Menschen ergeben,cite-ref-62[62] etwa das Recht auf freie Entfaltung seiner PersĂśnlichkeit, die Gleichheit aller vor dem Gesetz, die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit,cite-ref-63[63] das Recht auf Eigentum und Unverletzlichkeit der Wohnung etc.
Schutzpflicht
Die zweite Dimension des grundgesetzlichen MenschenwĂźrdeschutzes bildet die Pflicht der Staatsgewalt, nicht nur entwĂźrdigende Eingriffe zu unterlassen, sondern sie aktiv in der Gesellschaft zu verhĂźten. Der Staat und seine Gerichte mĂźssen darauf hinwirken, dass nicht nur die Ăśffentliche Gewalt, sondern auch Dritte die MenschenwĂźrde jedes Einzelnen achten. Diese Schutzpflicht wird in erster Linie objektiv-rechtlich verwirklicht, indem der Gesetzgeber proaktiv Recht setzt, wobei ihm ein erheblicher Handlungsspielraum zusteht. Die WĂźrde der Frauen und Mädchen gebietet es beispielsweise, Regelungen zu erlassen, die GenitalverstĂźmmelungen unter Strafe stellen.cite-ref-64[64] Im Gegensatz zu anderen Grundrechten ist die (objektive) Schutzpflicht schon im Wortlaut des Art. 1 GG (âzu schĂźtzenâ) angelegt.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66] FĂźr die Feststellung eines Eingriffs in die WĂźrde des Menschen ist es unerheblich, ob die betroffene Person einwilligt.cite-ref-67[67] Das Bundesverwaltungsgericht erachtete daher Peepshows als nicht genehmigungsfähigcite-ref-68[68] und urteilte, dass Laserdrome-Anlagen (Laserdrome-Entscheidung) gegen die WĂźrde des Menschen verstĂśĂen.cite-ref-69[69]
Die Schutzpflicht kann in gewissen Konstellationen, ausgehend von der objektiv-rechtlichen Dimension des Grundrechts, resubjektiviert werden. Sie begrĂźndet insoweit ein subjektives, d. h. einklagbares, Recht. Beispiele dafĂźr sind das Verbot der Todesstrafe oder das Auslieferungsverbot.cite-ref-70[70]
Alle staatliche Gewalt muss die MenschenwĂźrde schĂźtzen â damit unterscheidet sich die Schutzpflicht des Art. 1 Abs. 1 grundlegend von derjenigen anderer Grundrechte. Während sich die grundrechtliche Schutzpflicht grundsätzlich in einem Auftrag fĂźr den Gesetzgeber zeigt, bindet die MenschenwĂźrdegarantie die Rechtsanwendung (Gerichte und Verwaltungen) gleichermaĂen. Der Gesetzgeber hat dafĂźr zu sorgen, dass der Anspruch auf Bewahrung der eigenen WĂźrde vor Gericht effektiv durchgesetzt werden kann. Der Staat kommt seiner Schutzpflicht denn auch nach, indem er private Handlungen, die die MenschenwĂźrde verletzen, unter Strafe stellt und Organe (Staatsanwaltschaften, Polizei) unterhält, die erfolgte Ăbergriffe ahnden und sĂźhnen. Sonstiger gesetzlicher Konkretisierungen bedarf es nicht, zumal Art. 1 Abs. 1 Satz 2 direkt anwendbar ist.cite-ref-71[71]
Leistungsrecht
Das Bundesverfassungsgericht verbindet Art. 1 mit Art. 20 GG (Sozialstaatsprinzip), um âdie Verpflichtung des Staates herzuleiten, jenes Existenzminimum zu gewähren, das ein menschenwĂźrdiges Dasein Ăźberhaupt erst ausmachtâ.cite-ref-lebenslang-72-0[72] Dieses Gewährleistungsrecht bedĂźrfe der Konkretisierung und Aktualisierung durch den Gesetzgeber, dem dabei ein Gestaltungsspielraum zustehe.cite-ref-73[73]
Grundrechtsträger
Grundrechtsträger sind alle natĂźrlichen Personen. Juristischen Personen steht der Schutz des Art. 1 Abs. 1 nicht zu, ebenso wenig einer Gruppe von Menschen. Der MenschenwĂźrdeschutz des Individuums beginnt nach herrschender Meinung schon vor der Geburt â ob schon mit der Befruchtung der Eizelle oder erst mit der vollständigen Einnistung (Nidation) in der Gebärmutter, ist auch hiernach allerdings umstritten.cite-ref-74[74] Das Bundesverfassungsgericht anerkannte jedenfalls den objektiv-rechtlichen Schutz ab der Nidation;cite-ref-75[75] es hat indessen offen gelassen, ob er schon frĂźher beginnt.cite-ref-76[76] Grundrechtlich endet die MenschenwĂźrde mit dem Ableben des Menschen.cite-ref-77[77] Art. 1 GG gilt im Sinne einer Nachwirkung nach herrschender Meinung auch fĂźr das Andenken und den Ruf des Toten (Mephisto-Entscheidung). Auch nach dem Tod verliert man also nicht den persĂśnlichen Achtungsanspruch (vgl. StĂśrung der Totenruhe und postmortales PersĂśnlichkeitsrecht).cite-ref-78[78]
Grundrechtliche Konflikte
Das Bundesverfassungsgericht schreibt in einer Entscheidung: âMenschenwĂźrde als Wurzel aller Grundrechte ist mit keinem Einzelgrundrecht abwägungsfähigâ.cite-ref-79[79]
Fßr die Schutzpflicht ist die Lage im Hinblick auf die Absolutheit jedoch komplizierter. Teilweise wird darauf verwiesen, dass die staatliche Erfßllung der Schutzpflicht unter dem Vorbehalt des MÜglichen stehe,cite-ref-82[82] oder auf Gestaltungsspielräume des Gesetzgeberscite-ref-83[83]. Bei Konflikten der Schutzpflicht mit dem Achtungsgebot fßr die Menschenwßrde (wie im Fall der sogenannten Rettungsfolter) soll die Schutzpflicht nach ßberwiegender Meinung im Ergebnis zurßcktreten.cite-ref-84[84]
Italien
Art. 41 der italienischen Verfassung lautet:
âDie privatwirtschaftliche Betätigung ist frei. Sie darf nicht im Widerspruch zum Allgemeinwohl stehen oder eine Beeinträchtigung der Sicherheit, der Freiheit oder der MenschenwĂźrde des einzelnen mit sich bringen. Zwecks Ausrichtung und Abstimmung der Ăśffentlichen und privaten Wirtschaftstätigkeit auf soziale Ziele werden im Wege von Gesetzen geeignete Wirtschaftspläne und MaĂnahmen der Wirtschaftskontrolle festgelegt.â
Schweiz
â
Hauptartikel
:
MenschenwĂźrde (Schweiz)
âDie WĂźrde des Menschen ist zu achten und zu schĂźtzen.â
Vorschriften bezgl. Schutz der MenschenwĂźrde sind zudem noch in den Art. 118b (Forschung am Menschen) und Art. 119 (Fortpflanzungs-Medizin und Gentechnologie im Humanbereich) der BV zu finden.
Republik SĂźdafrika
Section 10. (Human dignity) der Verfassung der Republik SĂźdafrika gibt jedermann das Recht auf Achtung und Schutz seiner MenschenwĂźrde:
âEveryone has inherent dignity and the right to have their dignity respected and protected.â
Internationales Recht
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948
Die UN-Generalversammlung verkßndet am 10. Dezember 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Artikel 1:
âAlle Menschen sind frei und gleich an WĂźrde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der BrĂźderlichkeit begegnen.â
Europäische Grundrechtecharta von 2009
Die Sätze zwei bis vier der Präambel der Grundrechtecharta der Europäischen Union von 2009 lauten:
âIn dem Bewusstsein ihres geistigâreligiĂśsen und sittlichen Erbes grĂźndet sich die Union auf die unteilbaren und universellen Werte der WĂźrde des Menschen, der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität. Sie beruht auf den Grundsätzen der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit. Sie stellt die Person in den Mittelpunkt ihres Handelns, indem sie die UnionsbĂźrgerschaft und einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts begrĂźndet.â
Literatur
EinfĂźhrungen
⢠Dietmar von der Pfordten: Menschenwßrde (= C.H. Beck Wissen). Beck, Mßnchen 2016, ISBN 978-3-406-68837-9.
⢠Peter Schaber: Menschenwßrde (= Grundwissen Philosophie). Reclam, Ditzingen 2012, ISBN 978-3-15-020338-5.
⢠Paul Tiedemann: Was ist Menschenwßrde? Eine Einfßhrung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-18254-5.
Recht
⢠Manfred Baldus: Kämpfe um die MenschenwĂźrde â Die Debatten seit 1949, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-518-29799-5.
⢠Christine Baumbach, Peter Kunzmann (Hrsg.): WĂźrde â dignitĂŠ â godnoĹÄ â dignity. Die MenschenwĂźrde im internationalen Vergleich (= Ta ethika 11). Herbert Utz Verlag, MĂźnchen 2010, ISBN 978-3-8316-0939-0.
⢠Christopher McCrudden (Hrsg.): Understanding Human Dignity (= Proceedings of the British Academy). Oxford University Press, 2013, ISBN 978-0-19-726564-2 (782 S.).
⢠Matthias Mahlmann: Human Dignity and Autonomy in Modern Constitutional Orders. In: Michel Rosenfeld, AndrĂĄs SajĂł (Hrsg.): The Oxford Handbook of Comparative Constitutional Law. Oxford University Press, 2012, S. 370â396.
⢠Torben Bßhrer: Das Menschenwßrdekonzept der Europäischen Menschenrechtskonvention (= Schriften zum Europäischen Recht, Band 190), Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-15611-5.
⢠Rolf GrÜschner, Oliver W. Lembcke (Hrsg.): Das Dogma der Unantastbarkeit. Eine Auseinandersetzung mit dem Absolutheitsanspruch der Wßrde (= Politika 2). Mohr Siebeck, Tßbingen 2009, ISBN 978-3-16-150019-0.
⢠Pascal Ronc: Die Menschenwßrde als Prinzip der EMRK (= Schriften zum Europäischen Recht, Band 195), Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-15934-5.
⢠Markus Rothhaar: Die Menschenwßrde als Prinzip des Rechts. Eine rechtsphilosophische Rekonstruktion. Mohr Siebeck, Tßbingen 2015, ISBN 978-3-16-153558-1.
⢠Philipp Wallau: Die Menschenwßrde in der Grundrechtsordnung der Europäischen Union (= Bonner rechtswissenschaftliche Abhandlungen, NF 4). Bonn University Press u. a., Bonn [u. a.] 2010, ISBN 978-3-89971-785-3.
Philosophie und Theologie
⢠Franz J. Wetz (Hrsg.): Texte zur Menschenwßrde. Reclam, Ditzingen 2011, ISBN 978-3-15-018907-8.
⢠Franz J. Wetz: Illusion MenschenwĂźrde â Aufstieg und Fall eines Grundwertes. Klett-Cotta, 2005, ISBN 3-608-94122-3.
⢠Heiner Bielefeldt: Auslaufmodell Menschenwßrde? Warum sie in Frage steht und warum wir sie verteidigen mßssen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2011, ISBN 978-3-451-32508-3.
⢠Wilfried Härle, Reiner Preul (Hrsg.): Menschenwßrde (= Marburger Jahrbuch Theologie 17 = Marburger theologische Studien 89). Elwert, Marburg 2005, ISBN 3-7708-1279-4.
⢠Klaus Krämer, Klaus Vellguth (Hrsg.): MenschenwĂźrde. Diskurse zur Universalität und UnveräuĂerlichkeit (= ThEW 8). Verlag Herder, Freiburg 2016.
⢠Peter Schaber: Instrumentalisierung und Wßrde. Mentis, Paderborn 2010, ISBN 978-3-89785-711-7.
⢠Michael Spieker: Konkrete MenschenwĂźrde. Ăber Idee, Schutz und Bildung menschlicher WĂźrde. Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. 2012, ISBN 978-3-89974-816-1.
⢠Achim Lohmar: Falsches moralisches Bewusstsein. Eine Kritik der Idee der Menschenwßrde. Felix Meiner, Hamburg 2017, ISBN 978-3-7873-3145-1.
⢠Axel Montenbruck: MenschenwĂźrde-Idee und Liberalismus â zwei westliche Glaubensrichtungen. 3. Auflage 2016, ISBN 978-3-946234-56-2. (online auf der Website der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin)
Weblinks
Wiktionary: MenschenwĂźrde
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wikiquote: MenschenwĂźrde
â Zitate
⢠Literatur von und ßber Menschenwßrde im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Heiner Bielefeldt: Menschenwßrde. Der Grund der Menschenrechte. Deutsches Institut fßr Menschenrechte, Berlin 2008, ISBN 978-3-937714-75-2 (PDF)
⢠Thomas Gutmann: WĂźrde und Autonomie. Ăberlegungen zur Kantischen Tradition (PDF; 277 kB). (Preprints of the Centre for Advanced Study in Bioethics; MĂźnster 2010/2)
⢠Anton Hßgli, Curzio Chiesa (Hrsg.): Menschenwßrde (= Studia Philosophica 63), 2004
⢠Volker Neumann: Menschenwßrde und Existenzminimum (PDF; 95 kB).
⢠Micha H. Werner: Streit um die MenschenwĂźrde: Bedeutung und Probleme eines ethischen Zentralbegriffs. In: Zeitschrift fĂźr medizinische Ethik 46, 2000, S. 259â272
⢠Armin G. Wildfeuer: Menschenwßrde - Leerformel oder unverzichtbarer Gedanke? (PDF; 768 kB)
⢠Rosemarie Will: Bedeutung der MenschenwĂźrde in der Rechtsprechung. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 35â36/2011
⢠Deutsche Kommission Justitia et Pax (Hrsg.): Menschenwßrde. Impulse zum Geltungsanspruch der Menschenrechte (= Schriftenreihe Gerechtigkeit und Frieden, Heft 127). Bonn 2013, ISBN 978-3-940137-51-7
⢠Tessa Debus u. a. (Hrsg.): Philosophie der Menschenwßrde. In: zeitschrift fßr Menschenrechte 1/2010.
⢠Menschenwßrde und Stammzellenforschung, (die verfassungsrechtliche Lage) Stellungnahme der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer zur Stammzellforschung
Einzelnachweise
cite-note-11. â Mit entsprechenden Nachweisen Christian Starck: Der demokratische Verfassungsstaat: Gestalt, Grundlagen, Gefährdungen. Mohr Siebeck, TĂźbingen 1995, ISBN 3-16-146442-7, S. 193.
cite-note-22. â Herbert Schnädelbach: âDer Fluch des Christentums. Die sieben Geburtsfehler einer alt gewordenen Weltreligion. Eine kulurelle Bilanz nach zweitausend Jahrenâ. In: Die Zeit. 11. Mai 2000.
cite-note-33. â Wolfgang Huber: Menschenrechte/MenschenwĂźrde. In: Theologische Realenzyklopädie. (TRE) 22/1992, S. 577â602.
cite-note-44. â Christian Starck: Der demokratische Verfassungsstaat: Gestalt, Grundlagen, Gefährdungen. Mohr Siebeck, 1995, S. 193.
cite-note-55. â Ulrich Volp: Die WĂźrde des Menschen. Ein Beitrag zur Anthropologie in der Alten Kirche (= Supplements to Vigiliae Christianae, Bd. 81). Brill, Leiden/Boston 2006, ISBN 90-04-15448-5.
cite-note-66. â Matthias Mahlmann: Rechtsphilosophie und Rechtstheorie. 7. Auflage. Helbing Lichtenhahn, Basel 2022, ISBN 978-3-7190-4646-0, S. 447.
cite-note-77. â Thomas Hobbes: Leviathan. 1651, Chapter X. Of Power, Worth, Dignity, Honour, and Worthiness (gutenberg.org).
cite-note-88. â Samuel von Pufendorf: De jure naturae et gentium. Buch II, Kap. 1 § 5, 1998, Band 4.1 (Buch I bis IV); Axel Montenbruck: Zivilreligion. Eine Rechtsphilosophie I. Grundlegung: Westlicher âdemokratischer Präambel-Humanismusâ und universelle Trias âNatur, Seele und Vernunftâ. 3. erheblich erweiterte Auflage, Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, 2011, S. 50. (open access)
cite-note-99. â Deutsche Ăbersetzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Islam
cite-note-1010. â Dietmar von der Pfordten: MenschenwĂźrde, Abschnitt II.16 AuĂereuropäische Traditionen?, S. 53
cite-note-1111. â Gregor Paul: Konzepte der MenschenwĂźrde in der klassischen chinesischen Philosophie. In: Siegetsleitner/Knoepfler: MenschenwĂźrde im interkulturellen Dialog. Freiburg im Breisgau 2005, S. 67ff, Zitiert nach Dietmar von der Pfordten: MenschenwĂźrde.
cite-note-wetz-1212. â Franz Josef Wetz: Die WĂźrde des Menschen: antastbar?
cite-note-1313. â Ethik. 2. Auflage 1994, S. 221.
cite-note-1414. â Dietrich BĂśhler: Diskursethik und MenschenwĂźrdegrundsatz zwischen Idealisierung und Erfolgsverantwortung. Zur Anwendung der Diskursethik in Politik, Recht und Wissenschaft. K.-O. Apel und M. Kettner. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1992, S. 201â231.
cite-note-1515. â Dieter Birnbacher: Ambiguities in the concept of MenschenwĂźrde. In: Kurt Bayertz (Hrsg.): Sanctity of life and human dignity. Kluwer, Dordrecht/Boston/London 1996, S. 107â121.
cite-note-1616. â Vgl. Dieter Birnbacher: Gefährdet die moderne Reproduktionsmedizin die menschliche WĂźrde? In: V. Braun, D. Mieth, K. Steigleder (Hrsg.): Ethische und rechtliche Fragen der Gentechnologie und der Reproduktionsmedizin. J. Schweitzer, MĂźnchen 1987, S. 77â88.
cite-note-1717. â Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten II.
cite-note-1818. â Verfassungen der Republik Estland
cite-note-1919. â Verfassungen Griechenlands
cite-note-2020. â Verfassungen Portugals
cite-note-2121. â Verfassungen Spaniens
cite-note-2222. â Parte I â Titolo III â La Camera dei Deputati, Art. 41 (Memento vom 26. März 2007 im Internet Archive) â Art. 41 der italienischen Verfassung
cite-note-2323. â Verfassungen Finnlands
cite-note-2424. â Verfassungen des KĂśnigreiches Schweden
cite-note-2525. â Verfassungen Irlands
cite-note-2626. â Die Verfassung Belgiens
cite-note-2727. â Constitution of the Republic of South Africa, 1996
cite-note-2828. â The Constitution of Kenya
cite-note-2929. â BVerfGE 39, 1, 42; 72, 105, 115; 109, 279, 311.
cite-note-3030. â BVerfGE 87, 209 (228).
cite-note-3131. â BVerfGE 87, 209 (228); 96, 375 ff. (399).
cite-note-3232. â BVerfGE 87, 209 â Tanz der Teufel
cite-note-3333. â GĂźnter DĂźrig: Der Grundrechtssatz von der MenschenwĂźrde. Entwurf eines praktikablen Wertsystems der Grundrechte aus Art. 1 Abs. I in Verbindung mit Art. 19 Abs. II des Grundgesetzes. In: Archiv des Ăśffentlichen Rechts. Band 81, Nr. 2, 1956, S. 117â157, S. 117 f (Hervorhebungen im Original).
cite-note-0-3535. â BVerfG, Urteil des Ersten Senats vom 15. Februar 2006 â 1 BvR 357/05 â, Randnummern 119â121. In: bundesverfassungsgericht.de. Bundesverfassungsgericht, abgerufen am 8. November 2019.
cite-note-3636. â BVerfGE 109, 279/311 â GroĂer Lauschangriff
cite-note-3737. â GĂźnter DĂźrig: Der Grundrechtssatz von der MenschenwĂźrde. Entwurf eines praktikablen Wertsystems der Grundrechte aus Art. 1 Abs. I in Verbindung mit Art. 19 Abs. II des Grundgesetzes. In: Archiv des Ăśffentlichen Rechts. Band 81, Nr. 2, 1956, S. 117â157, S. 117.
cite-note-3838. â Hans-D. Jarass: Art. 1 GG. In: Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth (Hrsg.): Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 2 f.
cite-note-391. Josef Isensee: MenschenwĂźrde: die säkulare Gesellschaft auf der Suche nach dem Absoluten. In: Archiv des Ăśffentlichen Rechts. Band 131, Nr. 2, 2006, S. 173â218, S. 178 f..
cite-note-4040. â Hans-D. Jarass: Art. 1 GG. In: Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth (Hrsg.): Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 1.
cite-note-4141. â Friedhelm Hufen: Die MenschenwĂźrde, Art. 1 I GG. Juristische Schulung (JuS) 2010, S. 1.
cite-note-4242. â BVerfGE 30, 1 â AbhĂśrurteil Rn. 101; BVerfGE 96, 375 â Kind als Schaden Rn 65.
cite-note-4343. â BVerfGE 133, 241 â Luftsicherheitsgesetz
cite-note-4444. â Immanuel Kant: Die Metaphysik der Sitten. Zweiter Teil: Metaphysische AnfangsgrĂźnde der Tugendlehre, 1797, § 38: âDie Menschheit selbst ist eine WĂźrde; denn der Mensch kann von keinem Menschen [âŚ] bloĂ als Mittel, sondern muss jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden und darin besteht seine WĂźrde.â
cite-note-4545. â Horst Dreier, in: Ders. (Hg.): Grundgesetz â Kommentar, 2. Auflage 2004, Art. 1 I Rn. 53.
cite-note-4646. â Beispiele: BVerfGE 27, 1, 6 â Mikrozensus; BVerfGE 28, 386, 301 â Strafzumessung; BVerfGE 45, 187, 228 â Lebenslange Freiheitsstrafe.
cite-note-4747. â âDer Mensch ist nicht selten Objekt nicht nur der Verhältnisse und der gesellschaftlichen Entwicklung, sondern auch des Rechts, dem er sich zu fĂźgen hat. Die MenschenwĂźrde wird nicht schon dadurch verletzt, dass jemand zum Adressaten von MaĂnahmen der Strafverfolgung wird, wohl aber dann, wenn durch die Art der ergriffenen MaĂnahmen die Subjektqualität des Betroffenen grundsätzlich in Frage gestellt wird.â BVerfGE 109, 279 â GroĂer Lauschangriff Rn. 117.
cite-note-4848. â Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth: Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 9 11.
cite-note-4949. â BGHSt 44, 308 â LĂźgendetektor als Beweismittel Rn. 6
cite-note-5050. â Linda M. Keller: Is Truth Serum Torture? In: American University International Law Review. Band 20, Nr. 3, 2005, S. 602.
cite-note-5151. â CASE OF GĂFGEN v. GERMANY (original auf Englisch, deutsche Ăbersetzung des Bundesjustizministeriums). Der Gerichtshof bejaht, dass die Androhung schon Folter sein kann (Rn. 108), verneinte jedoch im vorliegenden Fall.
cite-note-5252. â Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth: Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 11â13.
cite-note-5353. â BVerfGE 45, 187 â Lebenslange Freiheitsstrafe Rn. 144.
cite-note-5454. â BVerfGE 45, 187 â Lebenslange Freiheitsstrafe Rn. 147
cite-note-5555. â BVerfGE 109, 133 â Langfristige Sicherheitsverwahrung Rn. 86
cite-note-5656. â BVerfG, Urteil vom 19. Oktober 1994, Az. 2 BvR 435/87; NJW 1995, 651; Hesselberger: Grundgesetz-Kommentar. Art. 1 GG, Rn. 3.
cite-note-5757. â BVerfG, Beschluss vom 14. Dezember 2000, Az. 2 BvR 1741/99, 276, 2061/00; BVerfGE 103, 21, 33 â Genetischer Fingerabdruck.
cite-note-5858. â BVerfGE 109, 133 â Langfristige Sicherheitsverwahrung Rn. 78; 3 BVerfGE 1, 332/343; zum ersten Mal ausdrĂźcklich BVerfGE 125, 175 â Hartz IV Rn. 134 siehe Dreier, in: ders., GG, Band 1, 3. Auflage, Art. 1 I Rn. 121 f.
cite-note-5959. â Dreier, in: ders., GG, Band 1, 3. Auflage, 2013, Art. 1 Abs. 1, Rn. 121 f.; Jarass, in: Jarass/Kment, GG, 18. Auflage, 2024, Art. 1, Rn 3; Hillgruber, in: Epping/Hillgruber, GG, 57. Auflage, 2024, Art. 1 Rn. 1.1.
cite-note-1-6060. â Jarass, in: Jarass/Pieroth, GG, 16. Auflage, 2020. Rn. 5.
cite-note-6161. â BVerfGE 56, 363 â Nichteheliche Kinder Rn. 77.
cite-note-6262. â GĂźnter DĂźrig: Der Grundrechtssatz von der MenschenwĂźrde Entwurf eines praktikablen Wertsystems der Grundrechte aus Art. 1 Abs. I in Verbindung mit Art. 19 Abs. I. In: Archiv des Ăśffentlichen Rechts. Band 81, Nr. 2, 1956, S. 117â157, 119 f..
cite-note-6464. â Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth: Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 14.
cite-note-6666. â Ohne (ausdrĂźckliche) Beschränkung auf objektiv und ohne durch den Wortlaut einen Gegensatz zu anderen Grundrechten zu statuieren: BVerfG, Beschluss vom 19. Dezember 1951, Az. 1 BvR 220/51, BVerfGE 1, 97 (104) = NJW 1952, 297 (298); Tobias Linke: Die MenschenwĂźrde im Ăberblick: Konstitutionsprinzip, Grundrecht, Schutzpflicht. JuS 2016, S. 888 (892).
cite-note-6767. â Jarass, Art. 1 GG, Rn. 13, in: Jarass/Pieroth, GG, 16. Auflage, 2020.
cite-note-6868. â BVerwGE 64, 274 (277) â Sittenwidrigkeit von Peep-Shows
cite-note-6969. â Urteil vom 13.12.2006 â BVerwG 6 C 17.06 Rn. 25
cite-note-7070. â Axel Tschentscher: Schutzpflichten. In: Verfassungsrecht der Schweiz. Band 2, 2020, S. 1322 f.
cite-note-7171. â Theodor Schilling: Die staatliche Pflicht zum Schutz von Grundrechten und MenschenwĂźrde. In: Kritische Vierteljahresschrift fĂźr Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Band 82, Nr. 4, 1999, S. 452â475, hier: S. 463â465.
cite-note-lebenslang-7272. â BVerfG, Urteil vom 21. Juni 1977, Az. 1 BvL 14/76; BVerfGE 45, 187 â Lebenslange Freiheitsstrafe.
cite-note-7373. â BVerfG, Urteil vom 9. Februar 2010, Az. 1 BvL 1/09, 1 BvL 3/09 und 1 BvL 4/09, BVerfGE 125, 175 â Hartz IV, Rn. 133.
cite-note-7474. â Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth: Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 7 f.
cite-note-7575. â BVerfGE 88, 203 â Schwangerschaftsabbruch II Rn. 151.
cite-note-7676. â Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags: Der Schutz des ungeborenen Lebens in Deutschland. 2018, S. 4 (bundestag.de [PDF]).
cite-note-7777. â Hans-D. Jarass, Bodo Pieroth: Grundgesetz fĂźr die Bundesrepublik Deutschland: Kommentar. 16. Auflage. C.H. Beck, MĂźnchen 2020, ISBN 978-3-406-74875-2, Art. 1 Rn. 9 f.
cite-note-7878. â BVerfGE 30, 173 â Mephisto Rn. 59.
cite-note-7979. â BVerfG, Beschluss vom 10. Oktober 1995 - 1 BvR 1476, 1980/91 und 102, 221/92 -, Deutsches Fallrecht = BVerfGE 93, 266 - Soldaten sind MĂśrder.
cite-note-8080. â Tobias Linke: Die MenschenwĂźrde im Ăberblick: Konstitutionsprinzip, Grundrecht, Schutzpflicht. JuS 2016, S. 888 (891).
cite-note-8181. â Friedhelm Hufen: Die MenschenwĂźrde, Art. 1 I GG. JuS 2010, S. 1 (9).
cite-note-8282. â Tobias Linke: Die MenschenwĂźrde im Ăberblick: Konstitutionsprinzip, Grundrecht, Schutzpflicht. JuS 2016, S. 888 (892): âWährend das Antastungsverbot absolut gilt, ist der Staat genau betrachtet Ăźberhaupt nicht dazu in der Lage, jeden Einzelnen jederzeit vor jeder erdenklichen WĂźrdeverletzung zu bewahren.â.
cite-note-8383. â Friederike Wapler in: Frauke Brosius-Gersdorf (Hrsg.): Dreier Grundgesetz-Kommentar. 4. Aufl. 2023, ISBN 9783161582158, GG Art. 1 Abs. 1 Rn. 103.
cite-note-8484. â Ino Augsberg in: Peter M. Huber/Andreas VoĂkuhle (Hrsg.): Grundgesetz. 8. Auflage 2024, ISBN 978-3-406-79231-1, GG Art. 1 Rn. 54; Wolfram HĂśfling in: Sachs. Grundgesetz. Kommentar. 10. Aufl. 2024, ISBN 978-3-406-81738-0, GG Art. 1 Rn. 12; Friederike Wapler in: Frauke Brosius-Gersdorf (Hrsg.): Dreier Grundgesetz-Kommentar. 4. Aufl. 2023, ISBN 9783161582158, GG Art. 1 Abs. 1 Rn. 103; Matthias Herdegen in: DĂźrig/Herzog/Scholz. 106. Ergänzungslieferung Oktober 2024, ISBN 978-3-406-45862-0, GG Art. 1 Abs. 1 Rn. 73; Christian Hillgruber in: Klaus Stern/Helge Sodan/Markus MĂśstl: Das Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland im europäischen Staatenverbund. 2. Auflage 2022, ISBN 978-3-406-77510-9, § 100 Rn. 55.